Julian Schäfer setzt sich in seinen Bildern mit der Morphologie der Erscheinungsformen auseinander. Er kreiert mikrokosmische und makrokosmische Aufnahmen von amorphen und biomorphen Bausteinen, die sich im Zustand dauernder Veränderung befinden. Wie in einer mikroskopischen Ansicht beobachtet er Stoffe und Substanzen, ihre Zusammensetzungen und Reaktionen. Der künstlerische Entstehungsprozess, der Umgang mit dem Material und das Verhalten bestimmter Materialien stehen deshalb im Mittelpunkt seines Schaffens. Was auf den Bildern wie die Darstellung einer chemischen Reaktion erscheint, wird von J.Schäfer in Wirklichkeit gewollt initiiert. Denn die Bildfläche dient ihm als Experimentierfeld für die Reaktionen von unterschiedlichen Materialien. Dazu benutzt er Stoffe, die sich gegenseitig abstoßen oder verbinden, so dass sie sich in einer Art gelenktem Zufall auf der Bildoberfläche verteilen. Oder er setzt ein Bild direkten Witterungseinflüssen aus. Mit dieser natürlichen Einwirkung auf Farbe und Leinwand wird das Bild zu einem organischen Versatzstück der Natur. Die Basis für die Darstellungen werden insofern von den Materialeigenschaften
nach einem Zufallsprinzip gestaltet. Pate stehen dabei der Automatismus
des Surrealismus und insbesondere Max Ernst, der durch Frottage und Decalcomanie
phantastische und imaginäre Welten schuf. Bei Julian Schäfer
verschmelzen dadurch Arbeitsweise und Thema, Inhalt und Form seiner Werke.
Aus der Wechselwirkung der Materialeigenschaften ergeben sich chemische
Abläufe, die gleichzeitig zu einem Symbol des natürlichen, organischen
Kreislaufs von Entstehung, Veränderung und Auflösung werden.
Sie dokumentieren die elementaren biologischen Vorgänge und weisen
auf das allem Organischen und Anorganischen zugrundeliegende universelle
Schöpfungsmuster hin.
Das grundlegende Interesse für Form und Struktur entwickelte Julian
Schäfer bereits während seiner Arbeit als Designer für Tabakspfeifen.
Neben der Produktion von Sammler-Unikaten entstanden erste eher figurative
Skulpturen aus Holz. Diese wichen aber bald Objekten in Ambivalenz zwischen
vegetativer und kristalliner Formgebung .
Im Gegensatz zu seinen Bildern, die eine freie Komposition besitzen, da der Umgang mit dem Material im Vordergrund steht, kommt es bei den Mobiles auf äußerste Präzision und Berechnung an. Trotzdem schafft er eine Verbindung zu den Bildern, da sich das Trennende zwischen Ordnung und Chaos in seinem Gesamtwerk aufhebt. Denn beide bezeichnen einen fortwährenden Prozess von Zusammenfügung und Auflösung und sind lediglich die äußeren Punkte eines Wirkungskreises, da auch dem Chaos elementare Gesetzmäßigkeiten und ein festes Schema zugrunde liegen. Seit 2001 verwendet er Acrylplatten für die Produktion von Bildobjekten. Dazu legt er mehrere dünne, monochrom bemalte und als Collage behandelte Acrylplatten übereinander. Diese erweitern in ihrer Durchlässigkeit das zweidimensionale Bild um weitere Ebenen. Das Hintereinanderliegende des "Mehrere-Schichten-Bildes" operiert dabei mit Sehgewohnheiten und Sinneseindrücken . Plastisch wirkende und im Bildraum scheinbar schwebende Objekte sind gleichzeitig wie in einem Eisblock erstarrt . |